Vergeben und Verzeihen – kann man das so einfach?

Wurdet ihr schon mal enttäuscht? Also so richtig enttäuscht, dass ihr denkt, das Herz zerspringt? Mich kann sowas schon mal umhauen, besonders, wenn diese Enttäuschung von jemanden kommt, der mir nahesteht. So eine Erfahrung tut nicht nur tief im Herzen weh, sondern kann einen durchaus auch aus der Umlaufbahn werfen und ziemliche Wut und Verletzung auslösen. Oftmals noch im Wechsel mit Trauer und Verzweiflung. Kann man so emotionalen Verrat einfach vergeben?

Bestimmt haben wir das im Leben alle schon mal durchgemacht. Solche Verletzungen, Kränkungen oder auch Enttäuschungen stecken wir nicht so einfach weg, zumindest ich nicht und auch die Mehrheit der Menschen nicht. Außer, man ist sehr abgebrüht. Ich bin es leider nicht, obwohl ich mir das schon öfters im Leben gewünscht hätte. Wobei emotionale Intelligenz zu meinen positiven Eigenschaften gehört. Ehrlich gesagt bin ich dann doch lieber feinsinnig, statt gegen Emotionen abgestumpft zu sein.

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Trotzdem versuche ich heute mit schmerzenden Erfahrungen anders umzugehen als früher, denn irgendwie haben sie mich auch gestärkt.  Es gab Zeiten, da habe ich ewig darüber gegrübelt, warum mir genau der eine Mensch das angetan hat. Ich konnte es nicht begreifen und konnte nicht verstehen, dass ich mich so getäuscht habe. In solchen Phasen sind bei mir in schlaflosen Nächten schon viele Tränen geflossen. Fragt nicht, wie oft ich in solch einer Situation die betreffende Person innerlich verflucht habe oder Antworten einforderte. Bekommen habe ich sie in den seltensten Fällen. Aber selbst wenn, es hätte sich eh nichts geändert und auch nicht den Schmerz von mir genommen. Das einzige war, dass ich vielleicht an Erfahrungen reicher geworden bin.

Dass ewiges Grübeln und Trauern für unseren Körper und unserer Seele nicht gut sind, muss ich euch nicht sagen. Durch die Anregungen, die ich durch meine Meditationsübungen bekomme, habe ich mir Gedanken gemacht, wie es wäre, wenn man der anderen Person einfach vergibt, statt sich davon auffressen zu lassen. Sicher ist das erst mal nicht einfach, Vergeben fällt oft schwerer als verletzt zu sein und kann auch nicht erzwungen werden. Man muss es wirklich wollen. Wenn der Schwerz tief sitzt, erscheint das Vergeben fast unmöglich zu sein und erfordert viel Kraft. Das Loslassen braucht mehr Mut, als an der Enttäuschung festzuhalten. Doch letztendlich setzt Vergebung die Wut und die Verbitterung frei.

Ich will nicht sagen, dass Vergeben bedeutet, das Passierte ungeschehen zu machen, es gar zu dulden oder zu entschuldigen. Vielmehr heißt Vergeben wieder frei zu sein, frei von grübelnden Gedanken, damit abzuschließen und nach Vorne zu schauen. Vergeben tut man also für sich selbst.

 

Ihr sucht noch eine spannende Sonntagslektüre? Dann schaut mal diesen Beitrag von mir an.

 

21 Kommentare

  1. Claudia
    April 5, 2020 / 9:07 am

    Hallo liebe Cla,
    nein, so einfach kann ich das nicht. Und je näher der Mensch mir steht bzw. je tiefer der Verrat ist, desto mehr habe ich daran zu arbeiten. Jeder hat bei mir zuerst mal einen Vertrauensbonus, und es dauert ziemlich lange, bis der aufgebraucht ist. Und es tut manchmal verdammt weh, der Wahrheit ins Auge zu sehen.
    Manchmal ist ein Schnitt unumgänglich, allein um mir selbst nicht weiter zu schaden.
    Vergeben und verzeihen, das ist schwierig. Alles Dinge, von denen ich in jüngeren Jahren gedacht hätte, ich habe damit keine Schwierigkeiten. Habe ich aber doch.
    Ganz herzliche Grüße und einen sonnigen Sonntag,
    Claudia
    Ein ganz feines Foto von dir. 🙂

    • claudia
      Autor
      April 7, 2020 / 1:51 pm

      Vergeben ist in der Tat nicht immer leicht. Doch es hilft mir ungemein, meinen inneren Frieden zu finden. Selbstverständlich gibt es auch bei mir
      immer mal wieder schwache Momente, die werden allerdings immer seltener.
      Sonnige Grüße an dich 🙂

  2. April 5, 2020 / 10:10 am

    Ich kann das total nach empfinden, besonders, und vor allem besonders dann, wenn betroffene Person einem sehr nahe steht. Auch ich musste mich in Vergebung üben, und das kann auch ein langer Prozess sein, habe aber mich daran getastet, und am Ende hat es mir mehr geholfen als ich gedacht hätte. Nicht umsonst ist Vergebung, eine wirklich mächtige Waffe.

  3. April 5, 2020 / 11:29 am

    Liebe Cla,
    Es gab Zeiten, da hat es ( zu) lange gedauert, bis ich ‚Stop‘ gesagt habe. Und ich schließe mich Claudia an, manchmal ist ein Schnitt unumgänglich. Das kann auch eine Art von verzeihen sein, denn du schließt ab. Das ist nicht immer schön und einfach.
    Vielleicht ist es die Weisheit des Alters. Haha. Ansonsten sehe und empfinde ich wie du.
    Hab einen schönen Sonntag
    Nicole

    • claudia
      Autor
      April 7, 2020 / 1:53 pm

      Manchmal wünschte ich mir mehr Weisheit im Alter. Sagt man nicht, Alter schützt vor Torheit nicht. 🙂
      Schönen Tag, liebe Nicole

  4. Annette
    April 5, 2020 / 2:51 pm

    Huhu meine Liebe…ja das ist immer schwer und tut wirklich weh!! Allerdings bin ich auch immer daran gewachsen und manches hat im Nachhinein Einfach nicht gepasst!… wichtig für mich ist Vergebung..nicht nur als Christ, Einfach weil ich gerlernt habe, wer vergibt erlöst sich in erster Linie selber.

    • claudia
      Autor
      April 7, 2020 / 1:55 pm

      Ganz genau so sehe ich es auch: Vergebe tue ich in erster Linie für mich selbst, um wieder Frieden zu finden.
      Liebe Annette, ich schicke dir liebe Grüße, Cla

  5. April 5, 2020 / 5:52 pm

    Ich kann das wirklich total nachvollziehen, was du da schreibst. Mir gefällt deine Schreibweise!
    Liebe Grüße
    Luisa

  6. EvelinWakri
    April 5, 2020 / 9:33 pm

    Vergeben und vergessen fällt mir schwer, denn ich vertraue auch nicht gleich jeden und daher trifft mich das Verletzt werden, dann besonders und die Enttäuschung ist groß. Schmerzt und auch wenn ich positiv in meiner Einstellung bin, kann ich schwer verzeihen, vielleicht weil ich immer zuerst die Schuld bei mir selbst suche. Auf Dauer kann ich dann aber verzeihen, doch vergessen leider nicht und daher gibt es kein absolutes Vertrauen mehr.
    Du siehst, ich kann Dich sehr gut verstehen.
    Dicke Umärmelung und liebe Grüße
    Evelin

    • claudia
      Autor
      April 7, 2020 / 1:57 pm

      Hallo liebe Evelin,
      um so mehr der Mensch mir was bedeutet, um so großer ist die Enttäuschung. Vergeben heißt auch bei mir nicht vergessen und mit Sicherheit, komme ich
      auch immer mal wieder ins Grübeln.
      Einen herzlichen Gruß, bleib gesund.

  7. Anomar
    April 6, 2020 / 10:50 am

    Hallo in die Runde,
    ich gehe gerade wieder einmal durch so ein tiefes Tal. Nein verzeihen kann ich nicht, das weiß ich aus Erfahrung aber es wird irgendwann weggeschlossen werden. Ganz weit weg und ich möchte dann nie mehr mit den beteiligten Personen etwas zu run haben. Ich sitze im Moment noch ganz weit unten und versuche irgendwie mein Leben neu zu regeln. Ich schwanke jeden Tag zwischen Verzweiflung und notwendiger Selbstmotivation. Gerade jetzt, wo es doppelt schwer fällt und man merkt, das eigentlich in meinem Fall nicht mehr viele Menschen da sind die es interessiert wie es einem geht. Ich weiß nicht wie ich aus dieser Krise heraus kommen werde. Ja es ist richtig, man lernt aus allem aber einiges an Wissen hätte ich gern nie gehabt. Es bricht immer mehr die Fähigkeit weg, noch offen auf andere Menschen zu zugehen. Ich habe mich eigentlich damit abgefunden meinen Weg in Zukunft alleine zu gehen, wo auch immer mich das hinführen wird.
    Bleibt gesund.
    VG
    Anomar

    • claudia
      Autor
      April 6, 2020 / 10:20 pm

      Liebe Anomar,
      tut mir leid, dass es dir gerade so schlecht geht. Besonders jetzt in dieser sowieso schweren Zeit. Wenn man schon öfters im Leben enttäuscht wurde, kann es schon mal sei , dass man das Grundvertrauen in andere Menschen verliert.
      Auch ich habe schon in meinem Leben ganz unten im Loch gesessen und dachte, es würde nicht mehr weitergehen. Wichtig ist, sich immer wieder selbst aufzubauen. Mir haben auch die Gespräche mit meinen Freundinnen immer sehr geholfen und die Liebe zu meiner Tochter. Man darf sich auf alle Fälle nicht gehen lassen und zu Hause einigeln. Gut, es ist gerade nicht möglich draußen aktiv zu sein. Da mein Fitnessstudio geschlossen hat, mache ich Sport auf YouTube.
      Ich wünsche dir von Herzen, dass es für sich ganz bald wieder aufwärts gehen wird. Pass gut auf dich auf, Cla

      • Anomar
        April 7, 2020 / 7:59 am

        Hallo Cla, einen ganz lieben Dank für deine Antwort. Es ist wichtig wenn man jemand wichtig ist. Schön das du So jemanden hast. Bei mir ist es leider nicht wirklich so. Ich habe aber drei Katzen die mir jeden Tag zeigen das die mich brauchen und spüren wenn es mir schlecht geht. Also bleibt alle Gesund.
        VG Anomar

  8. April 6, 2020 / 2:45 pm

    Hallo Cla,
    ich bin darin noch ziemlich schlecht in Vergebung :/…Ich versuche aber mit verschiedenen Methodiken, das Vergebung zu erlernen, damit mir es einfach langfristig besser geht :)…Vielleicht jetzt in dieser Zeit, wird mir es umso bewusster und ich realisiere, was wirklich wichtig ist im Leben 🙂
    Viele liebe Grüße, Karoline 🙂

    • claudia
      Autor
      April 7, 2020 / 1:59 pm

      Ich glaube so hart auch gerade die Situation für uns alle ist, viele von uns werden zukünftig bewusster Leben. Das ist wohl ein kleiner schöner
      Nebeneffet der Corona-Krise.
      Viele Grüße Cla

  9. Regina
    April 6, 2020 / 9:16 pm

    Wenn man sehr enttäuscht wurde, halte ich einen klaren Schlussstrich auch für das Beste, egal ob bei Beziehungen oder Freundschaften. Nach einem massiven Vertrauensbruch wird sowieso nichts mehr sein, wie es mal war. Trotzdem sollte man vergeben, damit man selbst Frieden findet. Das ist nicht leicht, aber machbar, auch wenn es manchmal etwas dauern kann.

    Wut festhalten
    ist wie Gift trinken und darauf warten,
    dass der Andere stirbt.
    (Buddha)

    Liebe Grüße
    Regina

    • claudia
      Autor
      April 7, 2020 / 2:00 pm

      Danke für die schöne Weisheit, da ist was dran. 🙂
      Viele Grüße Cla

  10. Kiwi
    April 8, 2020 / 9:37 pm

    Liebe Cla, oh ja , im letzten Jahr wurde ich sehr enttäuscht . Nachdem mein Vater starb , wurde ich von meinen Brüdern um das Erbe betrogen . Ich konnte nichts dagegen tun , weil es so geschickt und wohl lange geplant war .

    Ich habe heute noch oft Tränen , besonders in diesen Tagen ist genug Zeit zum nachdenken da ………bis jetzt kann ich nicht wirklich damit umgehen und es schmerzt .

    Cla , ich wünsche dir alles Liebe , und bitte achte gut auf dich in dieser Zeit ! Drück dich , Kiwi aus Hamburg

    • claudia
      Autor
      April 12, 2020 / 7:18 pm

      Liebe Kiwi,
      es ist natürlich besonders schmerzhaft, wenn die Enttäuschung aus der eigenen Familie kommt. Man kennt sich sein Leben lang und vertraut untereinander, da ist man sicher erst mal Fassungslos. Damit umzugehen ist sicher schwer. Doch letztendlich tust du dir mit dem Abschließen nur selbst einen gefallen. Grübelnde Gedanken können einen zur Verzweiflung führen und auch der eigenen Gesundheit schaden.
      Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du diese Kapital bald schließen kannst, und dich drücke ich auch. Herzlichen Gruß Cla

  11. April 9, 2020 / 1:02 pm

    Hallo Claudia, ich bin ähnlich wie Du eingestellt. Das bedeutet grundlegend: lieber sensibel bleiben als abstumpfen, auch wenn man dann in schweren Phasen mehr Schmerzen erdulden muss. Das mit dem Vergeben ist so eine Sache, vor allem, wenn man wie ich dazu neigt, nachtragend zu sein. Aber: ohne geht’s auch nicht, denn vergeben bedeutet ja auch, sich selbst zu entlasten und zu entlassen (und den/die andere/n auch!). Und: man ist ja auch immer mit den eigenen Fehlern konfrontiert.
    Schade finde ich, dass Trennungen häufig dennoch unvermeidlich sind, obwohl man/frau vergeben kann. Besser wäre doch, wenn man sagen könnte: „Ich lieb Dich auch, wenn Du ein/e blöde/r Kuh/Ochs bist“.

  12. April 15, 2020 / 8:53 pm

    Bei mir war es wie im schlechten Film. Meine Freundin hat mir damals meinen Lebensgefährten ausgespannt. Das ist jetzt 20 Jahre her, aber verzeihen oder vergeben kann ich nicht und habe mit ihr auch keinen Kontakt mehr. Aber es tut nicht mehr weh, dafür bin ich jetzt auch zu glücklich.

    Liebe Grüße,
    Anett

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