Mittwoch, Oktober 25, 2017

Das Bootcamp der taffen Frauen


Zweihundert unterschiedliche Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und doch verbindet sie alle das gleiche: BRUSTKREBS! Drei Wochen war ich nun mit all diesen Frauen zusammen in der Reha-Klinik Ostseeblick in Ückeritz. Einige habe ich intensiver kennengelernt, manche flüchtig und andere Damen wiederum bin ich nur mal im Gang begegnet. Das Wissen, dass uns alle das gleiche vereint hat mich genauer hinschauen lassen. Es gab Frauen, denen konnte man ihr Leid ansehen und das nicht nur an den gerade wieder wachsenden Haaren. Der größte Teil der Frauen war gestärkt und positiv eingestellt. Waren dabei alles Geschehene aufzuarbeiten und nach vorne zu schauen. Jede einzelne Frau hatte ihre eigene Geschichte dazu, jede ging damit anders um. 



In der Reha hatten wir einen ziemlich straffen Tag. Da war nichts mit Faulenzen oder geschweige denn mal länger schlafen. Aber so sollte es ja auch sein. Wir sollten wieder fit gemacht werden. Körperlich und auch geistig. Es gab Tage, da ging es bereits um 7 Uhr mit der ersten Anwendung los. Jede Rehalista hatte einen eigenen individuellen Plan. Da ich gerne Jogge, wurde ich in eine Walking Gruppe eingeteilt. Mehrmals in der Woche war 30 Minuten Laufen durch den Wald oder am Strand angesagt. Gerne auch mal mit nackten Füßen im Meer. Zur körperlichen Betätigung gab es unter anderem Kurse für Yoga-Atemübungen, Rückentraining oder Bewegungsbad im Schwimmbecken. Immer wieder wurden Vorträge über Ernährung, Stress und Schlafprobleme angeboten. Ebenso waren Massagen, Einzelgespräche mit  Psychologen und Entspannungsübungen an der Tagesordnung. Bei jedem Termin wurden wir neu durchgemischt. Ansonsten kamen wir alle immer zu den Mahlzeiten zusammen. Unser täglicher Terminplan war vollgepackt. In den ersten Tagen fühlte ich mich sogar leicht überfordert. Mir kam es so vor, als renne ich zu einer Behandlung zur nächsten. Nicht nur mir erging es so. Aber das ist wohl normal am Anfang. Alles ist neu. Die Umgebung, die Leute und man ist raus aus seiner alltäglichen Routine. 


     Dieses Bild hängt im Speisesaal der Reha-Klinik Ückeritz. Ich habe es abfotografiert. Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, von wem es stammt. 

Unter Gleichgesinnten spricht man auch ganz offen über die Krankheitsgeschichte. Bei so vielen Frauen war der Verlauf der Krebserkrankung und die Maßnahmen anders. Nicht jede Frau benötigte eine Chemotherapie und/oder Bestrahlung. Einige Frauen waren brusterhaltend operiert, andere hatten so wie ich eine komplette Mastektomie. Auch der Umgang und die Vorgehensweise der betroffenen Frauen war unterschiedlich. So erzählte mir eine Frau um die 40, dass ihr beide Brüste amputiert wurden und sich diese nicht wieder rekonstruieren lassen hat. Ein Weg, der für mich nicht vorstellbar gewesen wäre. Doch für sie war dieser Weg der denkbar vernünftigste. So verschiedenartig wir Frauen in der Reha auch alle waren, wir haben fast alle das gleiche mitgemacht. Die Diagnose Brustkrebs hat uns aus der gewohnten Bahn geworfen. Wir waren fassungslos, haben geweint, gekämpft und uns sicher nicht nur einmal gefragt, warum es gerade uns getroffen hat. Wir alle haben es auf unsere Art bis hier her geschafft. Manch eine musste diesen Weg zweimal gehen. Ja, das Leben ist nicht immer fair. Doch solche Schicksalsschläge prägen uns, machen uns taffer und vieles aus einem anderen Blickwinkel sehen. 

Ein wenig hatte ich Angst davor, in der Reha auf so viele Menschen zu treffen, die Krebs hatten. Ich dachte, ich würde mit dem Leid der Frauen nicht klar kommen. Würde mich vielleicht sogar davon runterziehen lassen. Doch so war es nicht. Die Frauen waren durchweg positiv gestimmt und haben einfach nur ihre Reha-Zeit genossen. Viele von den Frauen haben bei der Chemotherapie vielleicht ihre Haare verloren, aber nicht das Lachen. Denn sie sind Kämpferinnen. 

Jährlich erkranken in Deutschland über 70.000 Frauen und Mädchen an Brustkrebs. Es ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankungen bei Frauen in Deutschland. Tastet euch regelmäßig ab und geht zur Vorsorgeuntersuchung!

Einen weiteren Bericht über meine Krebserkrankung im letzten Jahr findet ihr hier




Kommentare:

  1. Morning Cla, must have been an amazing and intense experience, I'm glad you did and it helped u in some way. I followed ur days there on IG stories. Id like to show the post to my mom too, she had the breast cancer as well and did a mastectomy of both breasts..she never had a rehab time but I think it would have been very good at that time. Its a horrible pathology, makes me very hungry and upset. You are a strong woman and warrior mein freund, you have my big respect. Love and hugs xo

    AntwortenLöschen
  2. Schön, dass Dir die Reha gut getan hat und Du Kraft tanken konntest für den Alltag. Welcome home :)

    Liebe Grüße Sabine

    AntwortenLöschen
  3. This will bring strength to move forward and know you not alone, The therapy itself sounds perfect in building strength,calmness, and structure to what this disease does mentally. Good that you had the opportunity to experience and share with us so happy you enjoy and also I enjoy all those awesome IG story showing peaceful moments on the beach.

    AntwortenLöschen
  4. Ich vermute, gerade die Verbundenheit mit den anderen Frauen und das Gefühl, nicht alleine zu sein, machen diese Zeit besonders wertvoll. Ich freu mich, dass Du soviel Gutes daraus mitbringst.
    Liebe Grüße
    Sabine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das kann ich mir so auch gut vorstellen, liebe Sabine. Herzlichen Dank für deine Wünsche. Gruß Claudia

      Löschen
  5. Du hast mich mit Deinem Post gerade sehr berührt und ich muss es nochmal erwähnen, was für eine taffe und bewundernswerte Frau Du bist. In meinem Freundeskreis sind einige Frauen derzeit an Brustkrebs erkrankt und ich sehe es wie verschieden jede von Ihnen den Kampf aufgenommen hat. Freue mich, dass Du Dich bei der Reha so gut erholt hast. Umarme Dich und alles Gute Evelin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach du allerliebste Evelin. Jetzt bin ich über deine schönen Worte ebenso sehr berührt. Es wird Zeit, dass wir uns endlich mal kennen lernen.
      Ganz, ganz liebe Grüße an dich

      Löschen
  6. Liebe Cla, jetzt sitze ich hier heulend ... Nicht nur dir, sondern all den Frauen, die dort kennengelernt hast, wünsche ich unbekannterweise alles alles Gute!!! Und ich wünsche dir, dass du viel von dem, was du in der Reha mitgenommen hast, auch in deinen Alltag integrieren kannst. :-*

    AntwortenLöschen
  7. Liebe Cla,
    ich bin zwar nicht oft auf Deinem Blog, aber dieser Beitrag beeindruckt mich mächtig. Hut ab! Alles GUTE und viele gute Gedanken mögen Dich begleiten.
    Herzlichst - Martina
    www.lady50plus.de

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Danke liebe Martina. Ich freue mich sehr über deinen Kommentar.
      Hab noch einen schönen Abend, Grüße Cla

      Löschen
  8. Liebe Cla,
    ich danke dir sehr für diesen Beitrag.
    Ich bin selber betroffen. Mir wurden im August drei kleine, aber bösartige Tumore entfernt. Zum Glück benötige ich keine Chemotherapie; eine Strahlentherapie reicht aus, in der befinde ich mich gerade.
    Meine Reha wird von Mitte Dezember bis Mitte Januar sein. Die Fragen und Ängste, die mir momentan des nachts im Kopf herumschwirren, hast du mir in deinem Beitrag beantwortet.
    Danke dafür und liebe Grüße - Britt

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Britt,
      ach herrje dann ist ja bei dir alles noch aktuell. Hast du die Bestrahlung bereits hinter dir? Ich kann mir deine Sorgen und Ängste gut vorstellen. Bezüglich der Reha hatte ich mich lange gesträubt. Nun bin ich froh, sie doch genutzt zu haben. Nächstes Jahr werde ich wieder auf die Reha-Insel gehen. :)
      Dir wünsche ich alles, alles Gute. Du wirst sehen, die Auszeit wird dir gut tun.
      Herzlichst Cla

      Löschen
    2. Danke für deine guten Wünsche, liebe Cla.
      Ich befinde mich noch bis Ende November in der Strahlentherapie. Danach geht es dann zur "Reha", genau genommen ist es eine AHB, Anschlußheilbehandlung.
      Du hast ja in deinem Beitrag schon auf die Vorsorgeuntersuchung und das Abtasten hingwiesen.
      Was mir noch wichtig ist: weise doch deine Leserinnen darauf hin, dass bereits kleinste Hautveränderungen beachtet und ernstgenommen werden sollten! Bei mir hat eine kleine "Einziehung" der Haut (sah aus wie Cellulite ...) den Hinweis auf den Tumor gegeben.
      Herzliche Grüße - Britt

      Löschen
    3. Liebe Britt, da sprichst du einen ganz wichtigen Punkt an. Generell sollte man immer auf Veränderungen am Körper achten.
      Ich wünsche dir alles Gute für deine AHB. Viele Grüße Cla

      Löschen
  9. Liebe Cla,

    gut das du hingefahren bist. Ich hätte mir vorher wohl genau die selben Gedanken gemacht. Es ist schön das es dann nicht so war. Auch das du so mutig bist und uns an deiner Geschichte teilhaben lässt finde ich ganz großartig.

    Ich freue mich riesig das es dir mittlerweile besser geht!

    Alles Liebe
    Natascha

    AntwortenLöschen
  10. Liebe Cla,
    mein Mann hat schon seine zweite Reha nach der Krebserkrankung hinter sich.
    Er kommt auch immer gestärkt von dort zurück. Es hilft ihm, sich mit Männern auszutauschen, die dasselbe durchlebt haben.
    Dort sitzen alle im selben Boot und ich denke, das verbindet.
    Danke, dass Du das alles mit uns teilst, ich wünsche dir das Allerbeste!
    Liebe Grüße
    Nicole (queeninsilver)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Nicole,
      der Vergleich mit dem selben Boot trifft es genau. Das gleiche Schicksal zu erleiden verbindet. Man versteht untereinander.
      Ich danke dir für deine guten Wünsche, liebe Nicole.
      Einen schönen Abend, Cla

      Löschen
  11. Liebe Cla, schön, dass du das Reha- Angebot angenommen hast. Ich war im ganzen vier Mal auf Onko-Reha und denke auch heute nach sechs Jahren über eine weitere nach. Hier in Österreich gibt es nur gemischte Kliniken. Meine erste Reha war jedoch in Deutschland in einer Spezial-Klinik für Kopftumore, was ich persönlich für effizienter halte, weil mehr auf die spezifischen Probleme eingegangen wird. Ich wünsche dir weiterhin alles erdenklich Gute, liebe Grüße aus Salzburg, Claudia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke liebe Claudia. Auch für dich alles, alles Gute.
      Herzlichst Cla

      Löschen
  12. Hallo, liebe Cla! Ich hoffe, Du bist wieder gut zuhause angekommen und konntest für Dich persönlich viel Positives von der Reha mitnehmen :-). Das war ja offensichtlich schon eine sehr intensive Erfahrung - auch die Begegnung mit den anderen betroffenen Frauen. Dass jede ihre eigene Geschichte und den eigenen Umgang mit dieser alles über den Haufen werfenden Krankheit hat, ist klar. Aber sich trotzdem den Mut, den Optimismus und eine vielleicht sogar geradezu trotzige Lebensfreude zu erhalten, das ist etwas, was ich sehr toll finde. Gesundheit ist nichts Selbstverständliches, aber auch nicht die Stärke, der Krankheit sozusagen frech die Zunge rauszustrecken zu können und über sich hinaus zu wachsen. Ihr dürft alle soo stolz auf euch sein.

    Liebe Grüße und die allerbesten Wünsche!

    Hasi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Hasi, ich danke dir für deinen schönen Kommentar. Du hast es genau richtig aufgefasst. Wir Frauen in der Reha trotzten der Erkrankung entgegen. Wir haben es alle bis hier hin geschafft, da schaffen wir es auch weiter. Positiv Denken und den Humor beibehalten hilft ungemein.
      Ganz lieben Gruß an dich, Cla

      Löschen
  13. This is a very important post. You have to talk about it. Women need to regularly check their breasts.

    AntwortenLöschen
  14. Liebe Claudia,

    vor Krebs, Diabetis und Demenz habe ich echt schiss. Dein Artikel erreicht mich gerade wo wir erfahren haben, das die Schwester meines Mannes 49 Brustkrebs hat. Es ist bei den Voruntersuchungen so viel schief gegangen. Das jede weitere Untersuchung Angst mit sich bringt.
    Danke für deinen Artikel.

    Liebe Grüße
    elke von elke.works

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach herrje, alles Gute für deine Schwägerin. Wenn sie mit den Ärzten nicht zufrieden ist, sollte deine Schwägerin eine 2. Meinung einholen. Ich habe sogar das Krankenhaus gewechselt, weil ich mich nicht gut aufgehoben gefühlt habe.
      Herzlichst Cla

      Löschen