Im Bloggerinterview Claudia Braunstein

Sonntag und wieder ein Bloggerinterview. Und heute auch noch länderübergreifend. Ich freue mich, dass sich Claudia Braunstein aus Österreich die Zeit für meine Fragen genommen hat. Claudia ist nicht nur eine Namensvetterin, sondern uns verbindet ein ähnliches Schicksal: Krebs! Bei Claudia wurde 2011 ein Karzinom am Zungenrand und Mundboden diagnostiziert. Wie ich, hatte sie Glück im Unglück und den Krebs besiegt. Bei Claudia war es Zungenkrebs, eine sehr seltene Art von Krebs. Diese Erkrankung veränderte ihr Leben in vielerlei Hinsicht. Doch lest selbst:

Magst du etwas über dich erzählen?
Liebe Cla , ganz herzlichen Dank für die nette Einladung zu einem virtuellen Gespräch. Natürlich erzähle ich gerne etwas über mich. Hier meine Eckdaten. Ich bin inzwischen 55 Jahre alt, auch wenn ich das nicht immer glauben mag. Seit sagenhaften 33 Jahren verheiratet und Mama von 4 erwachsenen Kindern zwischen 33 und 25 Jahren. Und seit Jänner zum zweiten Mal Omi. Vor bald sieben Jahren bin ich an einem sehr seltenen Zungenkarzinom erkrankt. Diese Erkrankung hat mir ein ganzes Lebensjahr gestohlen und mein gesamtes Leben auf den Kopf gestellt. Zum Glück aber kaum im negativen Sinn. Ich lebe zwar mit teils massiven Behinderungen, die sind aber alle in meinem Alltag bestens integriert. Ich kann nicht mehr richtig kauen und vor allem nur sehr schwer schlucken. Das war auch der Grund, weshalb ich vor fast sechs Jahren einen Food Blog mit Rezepten für meine Bedürfnisse gestartet habe. Dieser Blog ist im deutschsprachigen Raum von der Thematik her einzigartig und erfreut sich auch einiger Bekanntheit. Ich habe damit Preise gewonnen und im Frühjahr erscheinen zwei Kochbücher mit Rezepten für Dysphagie Betroffene. Vor drei Jahren habe ich dann einen zweiten Blog begonnen, claudiaontour.com, der eigentlich von meinen Reisen mit meinem Food Blog erzählen sollte. Bald habe ich gemerkt, dass ich eigentlich noch viel mehr zu erzählen habe. Heute nenne ich ihn liebevoll virtuellen Bauchladen, weil die Themenkreise sich stark erweitert haben. Reisen, Geschichten aus meinem Leben, Gesundheitsthemen, Alltag mit Behinderung, Autotests und schließlich auch Fashion. Ich war vor meiner Erkrankung über 20 Jahre in der Modebranche selbständig. So hat sich irgendwie der Kreis ein wenig geschlossen. Ich bin seit meiner Erkrankung in Berufsunfähigkeitspension. Das hat auch gute Gründe. Auch wenn das nach außen nicht wirklich sichtbar ist, so habe ich zahlreiche Einschränkungen und Spätfolgen aus der Erkrankung mitgenommen. Zusätzlich zu Dysphagie und Spracheinschränkung habe ich eine Schilddrüsenunterfunktion, ich leide nach wie vor an Chemobrain und PNP, um nur einiges zu nennen. Das sind alles Dinge die meinen Alltag manchmal ziemlich kompliziert machen, aber ich versuche das mit möglichst viel Humor und Selbstverständlichkeit zu nehmen. Eine normale Berufstätigkeit schließt das leider aus.

Nun zu deinen Blogs. Du hast gleich zwei davon. Über was schreibst du und was hat dich bewegt, dieses zu starten.
Die Beweggründe für den Food Blog ,,Geschmeidige Köstlichkeiten” sind ziemlich eindeutig, meine eigene Betroffenheit. Ich betreue seit Jahren Neupatienten mit meinem Krankheitsbild, denen will ich behilflich sein. Geschmeidige Köstlichkeiten sind auch ein Ratgeber für Dysphagie und Mundkrebs.

Auf ,,claudiaontour.com” möchte ich einfach zeigen, dass man trotz einer schweren Mehrfachbehinderung ein glückliches und eigenständiges Leben führen kann. Ich möchte Mut machen, zeigen, dass man als ältere Frau mit Einschränkungen ohne weiteres alleine reisen kann. Gut so ohne weiteres ist jetzt ein wenig übertrieben, ich muss nämlich meine Reisen sehr aufwändig planen. Selbst auswärts essen kann ein Spiessrutenlauf sein. Ich habe aus meiner Erkrankung auch eine veritable Spracheinschränkung als Erinnerung mitgenommen, auch das ist zwischendurch ein Thema. Trotzdem bin ich immer sehr bedacht, dem Blog eine gewisse Leichtigkeit zu verleihen. So ist Kultur, besonders die Salzburger Festspiele ein Fixpunkt. Ich bin auch viel in meiner Heimatstadt Salzburg unterwegs, das sieht man am Blog auch sehr deutlich. Ich würde gerne mehr Fashion zeigen, sehe aber, dass solche Blogposts echte Produktionen sind. Ich habe eine Freundin, die Fotografin ist, aber leider nur selten Zeit hat. Ich benötige für so einen Artikel auch immer viel Vorbereitung, vom Friseur angefangen über die passende Location und so weiter. Vielleicht bin ich auch einfach zu kompliziert. Und im Moment auch sehr viel unterwegs.

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Wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben?
Inzwischen eher Casual im Alltag. Ich lasse mich auch nicht mehr von Trends nötigen. Es gibt eine Lieblingsfarbe, die ist tatsächlich Beige mit allen Nuancen. Und immer noch Schwarz und das seit Jahrzehnten. Ich trage meist Tücher. Ich habe eine große Narbe rund um den Hals, die sieht man zwar kaum mehr, aber sie benötigt meist Schutz und Wärme. Ich mag gerne Jeans und schmale Hosen. Weiße Blusen und lässige Oberteile, auch gerne im Zwiebellook, nur nicht zu schlabbrig. Im Sommer trage ich oft Kleider, die dürfen dann auch feminin sein. Sneakers im sommer und schmale Stiefel im Winter, das ist meines. Highheels eigentlich nur mehr zu besonderen Anlässen.

Was ist dein persönliches Markenzeichen?
Mein absolutes Marken- und Wiederkennungszeichen ist mein sexy Sprachfehler. Fashionmässig sicher meine Lieblingsfarbe, ich bin sozusagen die Frau in Beige.

Woher bekommst du deine Inspiration für deine Outfits?
Ich kaufe relativ wenig Bekleidung, weil ich eine übervolle Garderobe besitze. Es hat sich ausgezahlt, dass ich über Jahre hinweg nur zu teurer Markenbekleidung gegriffen habe. Ich bin immer noch eine leidenschaftliche Schaufensterschauerin, das ist meine Inspiration. Ich lese kaum mehr Journale, das musste ich in meinem früheren Berufsleben zur Genüge. Und ich lese auch nur ganz wenige Fashionblogs. Junge gar nicht, weil die in meinen Augen austauschbar sind. Über 40 sind Blogs dünn gesät und über 50 teils für mich nicht interessant, weil sie nicht meinem Geschmack entsprechen und altbacken sind. Da gibt es wirklich kaum eine Auswahl. Ich würde übrigens niemals im Bikini in ein Speiselokal gehen, auch nicht am Strand. Von Diktaten lasse ich mich allerdings nicht beherrschen

Warst du schon immer modebegeistert?
Ja schon von klein auf. Meine Mama war immer sehr modebewusst, meine Tante Schneiderin. Meine Mama hat als Grafikerin viel mit der Branche zu tun gehabt. Ich wollte lange Zeit Designerin werden und in Italien Mode studieren. Ein persönliches Unglück hat dies verhindert. Ich habe dann in Salzburg Romanistik studiert und meinen Mann kennengelernt, der war damals schon seit Jahren Modegroßhändler. Wir waren übrigens Anfang der 90er Jahre die Ersten die im deutschsprachigen Raum Leggings für Einzelhändler angeboten haben, da sind auch unzählige Händler aus Deutschland bei uns vor der Türe gestanden. Das war ein unglaublicher Hype, heute wäre das unvorstellbar.

Warum ist es für dich wichtig wie du aussiehst?
Ich denke, dass in unserer Gesellschaft das Äußere nach wie vor eine große Rolle spielt. Ich bin mit dieser Oberflächlichkeit jahrelang konfrontiert gewesen, das bekommt man nicht so einfach aus dem Kopf. Ich mag mich ja selber auch lieber, wenn mir ein passables Gegenüber aus dem Spiegel entgegen lacht. Und ich gehöre zu jenen, die offen zugeben, dass ich den Alterungsprozess meines Körpers nicht umfassend positiv empfinde. Eigentlich brauche ich weder Falten, noch schlaffe Haut dort und da. Ich kann auch mit Sprüchen wie *in Würde altern* oder *reife Frau* nichts anfangen. Ich fühle mich übrigens auch nicht wie 25, dazu habe ich in 30 Jahren zu viel Lebenserfahrung auf den Schultern.

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Folgst du Trends? Und wenn, welcher ist für dich gerade angesagt?
Unbewusst ganz sicher. Ich bin aber inzwischen mehr für Nachhaltigkeit. Fashion sollte für mich länger als eine Saison tragbar sein. Accessoires dürfen trendig sein. Manchmal denke ich, ich hätte überhaupt nichts entsorgen sollen, so viele Teile könnte man heute wieder tragen.

Hast du einen Mode- und Styling-Tipp für die Frau über 40?
Man sollte mit über 40 eigentlich wissen, womit man sich wohlfühlt. Ich denke in diesem Alter ist man meist im Leben angekommen und weiß, was man möchte, auch bei der Kleidung. Den absoluten Tipp gibt es wohl nicht, weil wir ja alle sehr verschieden sind. Es kommt ja auch immer darauf an in welchem beruflichen Umfeld man sich befindet. Wenn man kreativ tätig ist, ist wesentlich mehr möglich, als sagen wir als Anwältin oder Bankmitarbeiterin. Es gibt auch genug Frauen in unserem Alter, die vollkommen alterslos gekleidet sind und auch nicht peinlich wirken. Man sollt auf alle Fälle versuchen seine Vorzüge zu unterstreichen und seine Mängel, die man meist eh nur selber so sieht, ein wenig zu kaschieren.

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Was für Pläne hast du für deinen Blog und wie siehst du die Entwicklung in den nächsten Jahren?
Ich bin aus meiner Sichtweise mit beiden Blogs auf einem guten Weg. Ich bin mit beiden in einer Nische. In Österreich gibt es meines Wissens keine professionelle Lifestyle Bloggerin in meiner Altersklasse. Das ist teils sehr gut, wenn Kooperationspartner genau so jemanden suchen. Andererseits wird man oft auch als außerirdisch wahrgenommen. Nach dem Motto *können sie mit den Jungen überhaupt mithalten?. Das will ich übrigens gar nicht, denn meine Leser sind vorwiegend über 40 und haben einen anderen Zugang zu Blogs als die Generation nach uns. Ich würde mir wünschen, dass in die 50plus Szene mehr Bewegung kommt. Ich überlege auch seit geraumer Zeit Social Media Beratung für Menschen in meinem Alter anzubieten. Und zwar eher für Privatpersonen. Erklären wie Instagram, Pinterest und Co. funktionieren und zwar auf Augenhöhe. Unsere Generation hat einen ganz anderen Zugang dazu, weil wir nicht damit aufgewachsen sind und uns teilweise nicht trauen zu fragen.

Generell wünsche ich mir Kooperationen die persönlich zugeschnitten sind und keine Massenabfertigungen und auch eine ordentliche Honorierung, die steckt oft noch in den Kinderschuhen.

Und eigentlich würde ich gerne einmal eine wirklich schöne Modestrecke produzieren. Man weiß ja nie, was so daherkommt. Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich binnen weniger Monate gleich zweimal nach Thailand reise, dann hätte ich das nicht einmal in meinen kühnsten Träumen erwartet. Ich sollte aber erwähnen, dass da tatsächlich viel Arbeit und Vorbereitung dahintersteckt. Es ist eine Illusion, dass wir BloggerInnen einfach so mit schönen Dingen überhäuft werden. Ich bin übrigens unglaublich dankbar, für das was ich tun darf und kann, ich halte das alles nicht mehr für selbstverständlich.

 

Danke liebe Claudia, dass du bei meinem Bloggerinterview mitgemacht hast. Der Umgang mit deiner Erkrankung macht sicher vielen anderen betroffenen Frauen Mut. Für mich bist du eine mutige, tolle, spannende Frau mit Stil, Intelligenz und der richtigen Portion Humor. Aus Erfahrung weiß ich, mache Dinge im Leben kann man einfach nur mit Humor durchstehen.

In meiner Rubrik Bloggerinterview gibt es noch mehr spannende Ladies. Habt ihr schon über Monika, Geli, Anja und Andrea gelesen?

8 Kommentare

  1. März 18, 2018 / 8:59 am

    Morning Cla! Today’s interview is truly wonderful and I’ve read it with much interest. I didnt know Claudia but she is such a great and inspiring woman. I felt sorry to read about her disease but I also noticed how strong and positive she is and this makes me admire her a lot. She got an awesome style, very classy, polished and feminine. Thanks for sharing this gorgeous woman Cla. Happy Sunday mein freund, hugs! xo

  2. März 18, 2018 / 9:05 am

    Danke, für dieses lesenswerte Interview!
    Wie immer zeigt sich Claudia mit ihrer ganzen Offenheit, ihrem besonderen Charm und ihrem festen Willen, die BloggerSzene in der „Erwachsenenwelt“ positiv mit zubestimmen. Es ist einfach ander Zeit, das wir Frauen Ü50 auch in der Medialen Welt sichtbar und erhört werden. Dafür ist Claudia in vielerlei Hinsicht Vorreiterin und auch Vorbild.
    Prima, das dies auch hier, vom wunderbaren Blog „glamupyourlife“ in die Welt getragen wird. Denn die Welt braucht Frauen, wie diese!

  3. Pet@Home
    März 18, 2018 / 10:05 am

    Liebe Cla, ein Interview welches das Herz berührt. Trotz Erkrankung und allen Folgen nie den Mut zu verlieren und immer nach vorne zu schauen, erfordert viel Kraft. Es zeigt mir auch, dass man sich nicht selbst immer so wichtig nehmen und doch mal häufiger über den Tellerrand schauen sollte. Liebe Grüße aus den verschneiten Norden Pet

  4. Jackie Harrison
    März 18, 2018 / 12:44 pm

    Admirable that she is able to overcome and find a way to communicate about her illness. It must not been easy. She has style and a will power.

  5. EvelinWakri
    März 18, 2018 / 2:23 pm

    Liebe Cla! Ein fantastisches Interview mit Claudia. Ich bewundere sie sehr, da sie wie ich ihre Einschränkungen im Leben mit viel Humor nimmt und offen damit umgeht und ihre Erfahrungen mit anderen teilt. Wer einmal um sein Leben gekämpft hat, weiß was das bedeutet. Auch lese ich immer sehr gerne ihre Blogbeiträge ob reisen oder über Essen, ebenso ihre Modebeiträge. Vielen Dank für diesen so interessanten Beitrag und Euch beiden noch einen gemütlichen Sonntag. Liebe Grüße EvelinWakri

  6. März 18, 2018 / 11:29 pm

    Ein Interview das berührt und Mut macht,
    danke dafür. Trotz Krankheit an seiner Leidenschaft festzuhalten ist wirklich bewundernswert und macht mich beim lesen absolut glücklich.
    Danke für die tollen Zeilen, Liebes 🙂

  7. März 19, 2018 / 12:30 am

    Liebe Cla, ich möchte mich nochmals ganz herzlich für den Platz auf deinem Blog bedanken. Ich finde es sehr wichtig, dass wir erwachsenen Mädels uns gut vernetzen und zeigen, dass man nicht 25, faltenfrei und langbeinig sein muss, um Menschen da draußen zu erreichen. Liebste Grüße, von immer noch unterwegs 😉 Claudia

  8. Rita
    März 21, 2018 / 2:25 pm

    Du findest aber immer interessante Gesprächspartnerinnen!
    Vielen Dank, das sind ganz besondere Frauen.
    Rita

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