Ist Schwäche zeigen Stärke?

Ich bin im Fitnessstudio und renne und renne auf dem Laufband. Die Zeit zeigt mir 50 Minuten an, die Entfernung etwas über 7 km. Mir läuft der Schweiß! Der Körper und die Haare sind nass, doch ich verspüre keinerlei Ermüdungserscheinungen. Im Gegenteil, ich fühle die Power in mir, die Kraft die mich immer weiter laufen lässt. Das Sprinten gibt mir ein Gefühl von Stärke. Doch mir kullern dabei Tränen über das Gesicht. Tränen der Wut und der Schwäche. Dabei bin ich doch eine starke Frau. Erst letzte Woche hat man mir das wieder nachgesagt. Was wohl als Kompliment gedacht war. Doch ist es erstrebenswert stark zu sein? Stärke wurde mir besonders oft während meiner Brustkrebserkrankung 2016 zugesprochen. Doch war ich damals wirklich stark? Eher nicht! Ich hatte nur keine andere Wahl, als Stark zu sein.

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Stärke wird von mir erwartet. Ich soll tough sein, mich aufraffen und weitermachen. Ist doch alles halb so schlimm. Wir haben schließlich alle unseren Rucksack zu tragen. Doch manchmal fühle ich mich relativ schwach. So schwach, dass ich mich in Krisensituationen am liebsten in mein Bett verkriechen und erst wieder hervorschauen möchte, wenn die Gefahr bzw. das Problem gelöst ist. Ganz bewusst will ich mich dann schwach fühlen und nicht die Starke spielen. Doch das bringt im wahren Leben leider nichts. Stolpersteine, die im Weg des Lebens liegen, müssen nun mal zur Seite geräumt werden. Probleme sind dafür da, um zu zeigen was wir leisten können. Wobei ich manchmal gerne verzichten würde, mich zu beweisen. Ich bin aber nun mal auch kein Mensch, der den Kopf in den Sand steckt. Meine Devise lautet: Um so eher ich mich daran mache, die Ursache zu beheben, desto schneller ist sie beseitigt. Mag sein, dass ich auch mal auf halber Strecke liegen bleibe. Aber nur für eine kleine Pause, um mich dann wieder mit voller Energie aufzuraffen. Ist das nun Stärke?

Mir auch Schwäche einzugestehen und die Emotionen an mich heranzulassen, helfen mir dabei, mich besser zu verstehen. Selbst wenn dabei das Schmerzempfinden heftiger und intensiver wird. Vielleicht bin ich ja tatsächlich stark! Einfach, weil ich mir erlaube schwach zu sein. Denn gerade das Zulassen von Schwäche hilft, diese zu überwinden.

 

 

19 Kommentare

  1. Claudia
    Januar 27, 2019 / 8:26 am

    Hallo liebe Cla,
    mittlerweile weiß ich auch nicht mehr, ob es ein Kompliment ist, wenn jemand sagt, dass man stark ist. Oder nur eine Ausrede für denjenigen, der das sagt.
    An Tagen, an denen ich schwach bin, will ich ohne Rechtfertigung weinen können oder wenn es geht, mich ins Bett legen und die Decke über den Kopf ziehen und erst wieder aufstehen, wenn mir danach ist.
    Damit ich dann stark sein kann, wenn ich es muss. Aber nur stark sein, um manchmal die Launen der anderen zu ertragen , dass muss ich nicht mehr.
    Viele liebe Grüße und immer schön schwach bleiben, wenn dir danach zumute ist,
    Claudia 🙂

    • claudia
      Autor
      Januar 28, 2019 / 1:28 pm

      Das Bett ist auch mein liebster Rückzugsort, an schwachen Tagen. Wobei ich generell mein Bett liebe. Ich sage immer, mein liebster Ort auf der Welt. 😉
      Schönen Gruß liebe Claudia

  2. Iris Lingen
    Januar 27, 2019 / 9:21 am

    Guten Morgen liebe Cla,ich mache es kurz.Du hast es auf den Punkt gebracht,Schwäche zu zeigen bedeutet auch Stärke.Du bist eine tolle Frau und beeindruckst mich immer wieder.
    GLG IRIS

    • claudia
      Autor
      Januar 28, 2019 / 1:29 pm

      Liebe Iris, ich danke dir von Herzen für deine lieben Worte. :*

  3. Januar 27, 2019 / 10:16 am

    Für mich gibt es ohne Schwäche keine Stärke.

    • claudia
      Autor
      Januar 28, 2019 / 1:29 pm

      Hast du treffend gesagt liebe Susanne!

  4. Januar 27, 2019 / 10:53 am

    Ein ganz wundervoller Beitrag und ich finde auch, Du bringst es auf den Punkt. Oft wird einem erst hinterher klar, wie stark man in manchen Situationen gewesen ist… Ich glaube aber auch, dass Schwäche in unserer Gesellschaft keinen wirklichen Platz hat, weil die wenigsten Menschen damit umgehen können… Mit der eigenen Schwäche und mit der von anderen… Hab nen schönen Sonntag liebe Cla…. 😘

  5. Silvia
    Januar 27, 2019 / 11:00 am

    Hey, du hast es sehr gut geschrieben. Wenn es mir schlecht geht , möchte ich auch im Bett bleiben, es gibt mir Schutz und Sicherheit. Aber es nützt nicht , die Probleme müssen angepackt werden .
    Menschen die mich kennen, denken auch ich bin stark , die sehen mich ja auch nur , wenn es mir gut geht . An Tagen die nicht gut sind , bleibe ich zu Hause , da Erträge ich niemand . Ich finde – wer stark ist ist auch schwach – das ist jetzt meine Erkenntnisse 👍🙋‍♀️

  6. Dagmar
    Januar 27, 2019 / 11:10 am

    Liebe Cla,
    Vielen Dank für diesen Beitrag. Er passt perfekt zu meiner Situation. Morgen werde ich operiert und ich habe höllisch Angst davor. Mein Zustand schwankte die letzte Woche quasi ständig zwischen stark und kompletten zusammenbruch. Aber genau so ist das Leben und es ist wichtig diese Gefühle zuzulassen – da bin ich mir ganz sicher. Wir sollten alle mal stark und mal schwach sein. Mach weiter so! Ich mag die Mischung deiner Blogbeiträge sehr!
    Liebe Grüße – Dagmar

    • claudia
      Autor
      Januar 28, 2019 / 1:32 pm

      Liebe Dagmar,
      ich hoffe es ist nichts schlimmes. Ich denke heute an dich und drücke die Dauen, dass alles gut verläuft. :*

  7. Ilona
    Januar 27, 2019 / 11:19 am

    Hallo
    Ich denke auch, dass es ohne Schwäche keine Stärke gibt.
    Leider ist man in der Zeit der Schwäche oft damit konfrontiert, dass das Umfeld damit nicht umgehen kann. Da mache ich es wie viele und versuche doch wieder die Starke zu sein. Dies raubt einem aber sehr viel Kraft.
    Vielen Dank für den diesen Beitrag.
    Ilona

    • claudia
      Autor
      Januar 28, 2019 / 1:34 pm

      Ja, manchmal wird von einfach erwartet, dass wir immer stark sind. Wir sollten uns Schwäche viel öfters mal eingestehen. Solange man sich immer wieder aufrafft.
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Grüße Cla

  8. Januar 27, 2019 / 12:56 pm

    Liebe Cla,
    mutige, STARKE Worte. Du bist einfach eine starke Frau und wie Du schon sagst. Stark zu sein, heißt Schwäche zulassen zu können!
    Es ist um so vieles schwerer, Schwäche zugeben zu können, als sie zu überspielen, wie es die meisten Menschen machen. Denn man offenbart sich und liefert sich damit aus. Um das zu tun, auch auf die Gefahr hin, dass man Dich links liegen lässt, bedarf es eines starken Charakters. Entsprechende Konsequenzen zu ziehen ist dann Part II beim stark sein. Ich bin sicher, Du kennst das gut aus Deiner Krankheit. Viele Menschen vergeuden ihre Zeit damit zu schauspielern. Echt sein, in jeder Situation, bedeutet stark sein. Dein Bild sagt dazu mehr als tausend Worte. Schönen Sonntag meine Liebe, Gruß, Nicole

    • claudia
      Autor
      Januar 28, 2019 / 1:36 pm

      Schwäche zuzugeben, macht für andere angreifbarer. Vielleicht gestehen sich deshalb viele ihre Schwäche nicht ein.
      Ganz lieben Gruß an dich liebe Nicole

  9. Carmen
    Januar 27, 2019 / 7:25 pm

    Liebe Cla,
    Wahre Worte hast Du da geschrieben. Ich finde auch es ist wahre Größe/Stärke wenn man Schwäche zeigt. Das gehört einfach zum Leben und macht es aus. Arm sind die, die es nicht zulassen können.

    Liebe Grüße
    Carmen

  10. Hasi
    Januar 28, 2019 / 12:00 am

    Ich finde, der Übergang von Pragmatismus und Stärke geht ja oft fließend. Dieses „Es hilft ja alles nichts und durch entschlossenes Anpacken ist man wenigstens schneller durch…“ Und, logisch, das stimmt ja häufig auch. Wenn es einem aber letztlich zu viel wird, dann wird man halt mal müde und sollte vielleicht erst mal wieder etwas durchschnaufen. Schwäche ist in meinen Augen durchaus auch eine Form des Regenerations-, Reinigungs- bzw. Klärungsprozesses – dem man dann auch beizeiten nachgeben mal sollte/darf. Ich habe es persönlich oft schon erlebt, wie lösend dann so etwas wirken kann. Klar, nicht immer – aber immer wieder. Jedenfalls sind wir alle keine Maschinen, die rund um die Uhr perfekt und im Takt funktionieren können (und sollen).
    Liebe Grüße und einen schönen, starken Wochenstart!
    Hasi

    P. S.: Ich glaube, Du hattest übrigens Recht, als Du mir vor ca. drei, vier Wochen geschrieben hast, ich soll mich eventuell noch mal bei Dir melden. Der Postbote kommt immer nur mit leeren Händen *wein*. Aber – ich gebe die Hoffnung nicht auf! *lach*

    • claudia
      Autor
      Januar 28, 2019 / 8:52 am

      Guten Morgen liebe Hase,
      ich freue mich immer wieder sehr deine Kommentare zu lesen. Zeigt es mir doch welch eine gesunde Einstellung du zum Leben hat und hohe emotionale Intelligenz. Schwächeln als als Kraft tanken anzusehen, gefällt mir.
      Danke für den Hinweis über das Ausbleibens deines Gewinns. Ich habe die Tage auch an dich gedacht und gehofft, es hätte alles einwandfrei geklappt. Ich habe gleich heute Morgen
      Regulat angeschrieben. Doch könntest du mir unter glamupyourlifestyle@t-online.de noch mal deine Anschrift senden. Sicherheitshalber, falls die Ansprechperson meinen Mail nicht mehr findet. 😉
      Ganz lieben Gruß
      Claudia

  11. EvelinWakri
    Januar 28, 2019 / 9:48 pm

    Liebe Cla,
    Danke für diesen Beitrag und Deine Offenheit. Immer Stärke zeigen hat mich seelisch fast krank gemacht. Von Kindheit auf wurde mir gesagt: Du musst stark sein, mit Schwäche kommst Du nicht weit. Wenn man mich mit 5 wieder mal in der Kinderklinik abgab und ich weinte, dann sagte meine Mutter: Heule nicht, es ändert nichts daran. Heute kann ich Schwäche zeigen ohne mich zu verstecken und das gibt mir auch die Kraft stark zu sein. Ich mag es nicht, wenn jemand zu mir sagt: Du bist immer so stark! Denn niemand weiß wie oft man Nachts im Bett liegt und heult und es tut sooo gut.
    Eine dicke Umärmelung liebe Cla und liebe Grüße EvelinWakri

  12. Lisbeth
    Januar 30, 2019 / 10:44 pm

    Stärke – Ja, schwierig. Auch ich bin das, was man eine starke Frau nennt und habe dies auch in der Erziehung meiner Tochter vorgelebt. Ich selbst bin vom Wesen robust, kann aber dafür die Feinheiten in den Reaktionen von Menschen nicht immer wahrnehmen, bzw. nicht richtig einschätzen.
    Meine Tochter versuchte die gleiche Robustheit an den Tag zu legen, was bis zum 17. Lebensjahr gut gelang: Reitsport, Musik, Karneval und Abitur nach 11,5 Jahren. Alles Bestens – und dann kam der Zsammenbruch, mit allem Drum und Dran. Ich hätte fast mein Kind verloren.
    Über die Therapie lernten wir, dass unserer Tochter „highsensitiv“ ist und somit alles extrem verstärkt spürt und erfährt. Um sie selbst sein zu können, muss sie sich regelmäßig zurückziehen und muss „schwach“sein.
    Für mich war es ein sehr weiter Weg diese Situation im vollen Umfang zu verstehen, da ich sie nur schwer nachvollziehen konnte. Die „alte“ Lisbeth hätte dies als Schwäche mit den Worten „stell dich nicht so an“ abgetan. Heute nehme ich diese Softskills meiner Tochter als Bereicherung und Lernerfahrung für mich war, und staune immer wieder welche Stärken sie dadurch entwickelt hat.
    Was ich damit sagen möchte ist: wir müssen erkennen, dass in den schwachen Momenten, egal ob eigene oder fremde, das Potenzial für eine unglaubliche Bereicherung liegen kann. Manchmal ist ein Perspektivwechsel erforderlich, um dies zu erkennen. Und deshalb sollten wir in diesen Momenten zu uns und anderen nicht so streng sein, und uns die benötigte Zeit gönnen und nehmen.
    LG Lisbeth

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